JoPhis Einwand aus Berlin

Da gibt und gab es natürlich immer wieder Kollegen,die einen anderen Standpunkt vertreten. J.Ph.Kirnberger,seineszeichens einer der ganz großen Denker und Ordner der Musik des 18.Jhd., sieht das Heil in der Arbeit und Beschäftigung mit der Materie, vor allem der vergangenen. Sein Zugang zur Musik formuliert er 1771:
„Dem Liebhaber, der gern früh weit kommen will, werden manche durch die Erfahrung bestätigte Wahrheiten über die Musik trocken sein und seine Geduld fordern, indessen sind sie für diejenigen geschrieben, die die Musik ihrem ganzen Umfang nach erlernen, aus derselben ein wahres Studium machen, und die mit jeglichem Studium, besonders aber mit dem Ton und Gesang verbundene Wollust genießen wollen, für diese Freunde des Schönen werden sie nicht trocken sein; und der hat auch nicht das Süße verdient, der das Bittere nicht gekostet hat.“ — na, Mahlzeit.Gehts auch ein wenig konkreter, lieber JoPhi?Also gut, 5 Jahre später sammelt er die zeittypischen und vergangenen Tänze,schreibt kleine exemplarische Beispielstückchen und veröffentlicht diese als „Sammlung charakteristischer Tänze“ – als wesentliche Wurzel der Kunstmusik.Da schreibt er dann schon:
„Ein musikalisches Stück besteht, wie eine Rede, aus mehreren Perioden. Und so wie in der Rede, diese Perioden aus Sätzen, diese wiederum aus Wörtern bestehen, die aus längeren und kürzeren Silben zusammengesetzt sind, so besteht die musikalische Periode gleichfalls aus Einschnitten, diese aus Sätzen, welche aus längeren und kürzeren Noten zusammengesetzt sind, die entweder nur durchgehend, oder mit den ihnen eigenen stärkeren und schwächeren Akzenten angegeben werden.
Soll die Rede ihre gehörige Wirkung tun, so muss sie gut vorgetragen werden, und eben so erhält auch ein musikalisches Stück erst durch einen richtigen und guten Vortrag seine Schönheit.Wie kann aber der Tonkünstler jemals gut vortragen, d.h. wie kann er in der musikalischen Periode jeden Einschnitt und jeden Satz hören lassen, auch jeden Akzent bezeichnen, wenn er nicht alle verschiedenen Arten der Einschnitte, und die jeder Art eigenen Akzente kennt.Wie wird der Tonkünstler jemals gut vortragen, den gehörigen Ausdruck geben können, welchen sich der Komponist vorgesetzt hat, wenn er nicht, durch Hilfe der verschiedenen Arten Noten die darin vorkommen, genau zu bestimmen versteht, welche Bewegung und welcher Charakter jeder Taktart zukommt?
Um die zum Vortrag notwendigen Eigenschaften zu erlangen, kann jeder Tonkünstler nichts Besseres tun, als fleißig allerhand charakteristische Tänze spielen.“ Wo und wie spielen? Interessierte sollten einfach mal beim „Musikverlag-Eckmeier“ nachforschen,da gibt es dreistimmig genau diese Tänze.Und bis dahin was tun?—   Nächstes mal kommen die Tempi/Charaktere im Einzelnen dran.

Zum Schluß noch eine persönliche Abbitte:der Student von neulich hat doch tatsächlich das Instrument seiner Wahl kaufen können.Liebe Profs,vielleicht bewegt sich ja doch etwas!

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Kategorien: Entschlüsselung des Notentextes, Geschichte(n) der Klarinette, Historie | Hinterlasse einen Kommentar

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