Jetzt noch’n Tempo

Da ist mir doch eine bemerkenswerte Geschichte aus einem deutschen Kulturorchester zu Ohren gekommen—sehr spannend,muß aber warten,erstmal wird die neulich angefangene Tempofrage abgehandelt werden.Es fehlt natürlich Quantz mit seinem Puls,wer es im Buch nicht nachlesen mag,hier der entsprechende Auszug:
Bei J.J.Quantz gehen die Tempi nach dem Pulsschlag, ausgehend davon das man nicht mehr als 8 Töne pro Pulsschlag anstoßen kann (!), ohne Verwendung der Doppelzunge, kommt er zu folgenden Tempi:

Allegro assai ,auf jeden halben Takt ein Pulsschlag
Allegretto , jedes Viertel ein Pulsschlag
Adagio cantabile, jedes Achtel ein Pulsschlag
Adagio assai , jedes Achtel zwei Pulsschläge
Im Allabreve Takt
Allegro , ein Takt ist ein Pulsschlag
Allegretto , ein halber Takt ist ein Pulsschlag
etcetc   –  Zitat Ende

Der gute Leo geht dann aber noch etwas genauer auf die Bezeichnungen ein,vor allem auf den Kleinkram,der bescheiden unter der Noten steht und gerne als zweitrangig betrachtet wird:

 Cantabile , Singbar. Das ist: Man solle sich eines singbaren Vortrags befleissigen; man soll natürlich, nicht zu viel gekünstelt und also spielen, dass man dem Instrumente, so viel es immer möglich ist, die Singkunst nachahme. Und dieß ist das schönste in der Musik.

Arioso ,gleich einer Arie. Es will eben das sagen, was Cantabile sagt.

Mesto , betrübt. Dieß Wort erinnert uns, das wir uns bey Abspielung des Stückes in den Affekt der Betrübnis setzen sollen, um die Traurigkeit, die der Componist in dem Stücke auszudrücken sucht, bey den Zuhörern zu erregen.

Affetuoso , mit Affekt, will, das wir den Affekt, der in dem Stücke stecket suchen, und folglich alles beweglich, eindringlich und rührend abspielen sollen.

Aus allen den hier erklärten Kunstwörtern siehet man Sonnenklar, das alle Bemühung dahin gehet, den Spielenden in denjenigen Affekt zu setzen, welcher in dem Stücke selber herrschet :  um hierdurch in die Gemüther der Zuhörer zu dringen und ihre Leidenschaft zu erregen. Man muß also, bevor man zu spielen anfängt, sich wohl um alles umsehen, was immer zu dem vernünftigen und richtigen Vortrage eines wohlgesetzten musikalischen Stückes nothwendig ist.

Zitat Ende,vielen Dank Leo,ist heute noch gültig!

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Kategorien: Entschlüsselung des Notentextes, Geschichte(n) der Klarinette | Hinterlasse einen Kommentar

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