Vorgeschichte 4

 Das sind also die Rahmenbedingungen, unter denen wir die junge Klarinette beobachten wollen. Wie sieht es aber mit den Musikern selber aus, also keinen namenlosen Nummern sondern den Kollegen von damals? Wunderbare Zeitzeugnisse in Form von ausgewählten Lebensläufen findet man hierzu natürlich wieder bei Mattheson: er hat in seiner „Musikalischen Ehrenpforte“ von 1740 bedeutenden Persönlichkeiten der damaligen Musikszene ein gedrucktes Denkmal gesetzt. Stellvertretend sei hier der Abschnitt über Amende zitiert (S.8) – wohlgemerkt ist dies ein exponiertes privilegiertes Leben, über dem Durchschnitt gelegen:

„Michael Amende, von Geburt ein Preusse, war ein künstlicher Instrument-Spieler oder Musikus. Diejenigen Werkzeuge, darauf er sich am liebsten hören ließ, waren die Trompete, das Waldhorn und die Flöte douce. Alle diese bließ er mit so ungezwungener Anlegung der Lippen, Zunge und Finger, daß es eine Lust sowohl zu sehen, als zu hören war. – Man darf sich aber darüber destoweniger verwundern, je weiter er es in der Singekunst gebracht hatte, und die Manieren derselben aus dem Grunde wußte. Denn ohne Singen läßt sich nimmer schön spielen. Übrigens machte er auch seine Partie auf der Violine, auf dem Hautbois und Basson gut mit, aber in obigen Instrumenten lag seine rechte Stärke. –  Er war sehr fleißig im Abschreiben guter Kirchenstücke und anderer Sachen, wodurch er einen auserlesenen Geschmack bekam, und von musikalischen Sätzen meisterlich urteilte. Er war dienstwillig, freundlich und von gesunder Vernunft. – Endlich, nachdem er lange genug herumgereiset, kam er nach Danzig, traf allda, wegen seiner geschickten und klugen Ausführung sowohl, als in Ansehung seiner Kunst, vornehme Gönner und viele Ehre an, so daß er , nach einiger Zeit, die Stelle eines Ratsmusikanten erhielt, und die Capellmusik in der Kirchen ordentlicher Weise mit bestellen half. – Er verdienet mit Recht das Muster eines tugendhaften, artigen Musikanten genannt zu werden, und manche vorher ungeschliffene Lecker unter den Geigern und Pfeiffern haben, mit der Zeit, an ihm ein Beispiel genommen. Er starb 1709 in der Pest-Zeit, als dieses grausame Übel in Danzig hausete, wodurch er vermutlich auch weggerissen worden. Genug, das er sein Leben geendigt, ehe er 40 Jahr alt gewesen. Sein Gedenkspruch war aus dem 14. Kap. Hiobs genommen, den er oftmals im Munde führte: ‚Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, gehet auf wie eine Blume, und fället ab; fleucht wie ein Schatten, und bleibet nicht. ‘ “  

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Kategorien: Geschichte(n) der Klarinette, Historie | Hinterlasse einen Kommentar

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