Vorgeschichte 2

 Die Musik als solche beginnt gerade ihre Formen zu definieren: „Sonate“ noch als „Sonata da camera“ oder „Sonata da chiesa“, „sinfonia“ als Instrumentalstück im Oratorium, Monteverdi hatte vor gar nicht langer Zeit die Oper erfunden, es ist alles noch nicht so gefestigt wie wir es gewohnt sind. Die Instrumentierung ist noch nicht obligat, oft steht als Angabe nur die Funktion (Dessus, Haute, Taille, Quinte, Basse), die Besetzung ergibt sich aus den zur Verfügung stehenden Instrumenten. Das Ganze ist weit weniger festgelegt als so mancher moderne Betonkopf behauptet, viel mehr war hier Experimentierfreude durchaus angebracht. Ganz langsam zeichnet sich eine Form ab, die anscheinend gut funktioniert: die Triosonate – also zwei Melodieinstrumente plus basso, dieser dann bald auch beziffert, das ist der Einsatz für unsere Freunde der Taste. Das „Concerto“ sucht noch orientierungslos nach seiner klassischen Definition, da muß es wohl noch ein wenig Geduld haben.

Das Leben der Musiker selber ist mit heutigen Vorstellungen nur schwer beschreibbar. Zum einen war der soziale Status bis auf ganz wenige Ausnahmen deutlich tiefer als heute („Frau, hol die Wäsche rein, die Musiker kommen!“), die Jobmöglichkeiten waren dünn gesät – man konnte wenn man Glück hatte irgendwo bei Hofe landen, Stadtpfeifer waren ganzjährig an der frischen Luft und zum Unterrichten verpflichtet, Mitbestimmung über die Musik oder gar die Arbeitsbedingungen sind Fremdworte, die noch 300 Jahre auf ihre Erfindung warten müssen, fahrende freelancer waren praktisch vogelfrei. Auf der anderen Seite gab es keine Spezialisierung auf ein Instrument, im Gegenteil: Vielfalt war eine Grundvoraussetzung um überhaupt Musiker zu werden! – Gerne wird vergessen, dass sich dieser Umstand erst im Laufe des 20.Jhds. geändert hat, aber welche Hochschulprofessor käme heute auf die Idee die Beherrschung mehrerer Instrumente einzufordern? Und zwar nicht nur rudimentär sondern auf Orchesterniveau! Damals war dies eine Selbstverständlichkeit.

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Kategorien: Geschichte(n) der Klarinette, Historie | Hinterlasse einen Kommentar

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