Grundsätzliches 1

„Eigentlich-müsste-man-mal“ – dieser Satz stellt an sich bereits nicht nur die größte Bremse auf jedem Weg, den wir beschreiten wollen, dar, er kann auch, in seine Einzelbestandteile zerlegt, zur Warnung für jeden vernunftbegabten kreativen Menschen werden: Vermeide wo immer es geht eines dieser vier Worte, es sei denn Du möchtest in der Welt der Politik und Hochfinanz Erfolg haben. Aber um diese Parallelwelt soll es hier gar nicht gehen, wir wollen uns  lieber um wesentliche Inhalte kümmern: Musik im Allgemeinen und im Speziellen die Klarinette. Über das Thema „Klarinette“ sind bereits viele Bücher und Aufsätze geschrieben worden, noch weit mehr wird nach alter Tradition mündlich weitergegeben und auf diese Art  verwässert und verschleiert. Was kann die Motivation sein, noch ein weiteres Buch über dieses Instrument zu schreiben? Da wir von Beginn an möglichst präzise vorgehen wollen, müssen wir dieser Frage nicht nur nachgehen sondern sie in verschieden Schichten zergliedern.

„Die Klarinette“ als verallgemeinerter Typus ist schon heikel genug: geht man eher von der deutschen oder von der französischen Tradition aus, gibt es tatsächlich nur diese beiden Wege? Wenn man genau sein möchte: Wie weit gehen wir auf Herstellerbezogene Alleinstellungsmerkmale oder Unterschiede ein? Schnell begreift ein jeder, das wir uns in unserer  Wolke 201… nicht nur bequem zurücklehnen und von oben herab die Dinge betrachten können. Wir müssen, um unser Instrument zu verstehen, in der Geschichte zurück gehen und versuchen die Perspektive zu ändern. Diesen Weg haben bereits manche Schreiber versucht zu beschreiten, allerdings gibt es hier auch viele Ab-Schreiber, und Fehler der ersteren werden durch permanentes kopieren leider nicht automatisch verbessert sondern nur verbreitet. Fehler, die gerne zitiert werden, sind beispielsweise:

1. Die ersten Klarinetten hatten zwei Kappen, deswegen gibt es kein h‘.

2. Die Klarinette ist der Nachfolger des Chalumeau.

3. Es gibt praktisch keine Literatur bis ca.1760, damit entfällt die Barockzeit.

4. Die Entwicklung der Klarinette ist kontinuierlich.

5. Der Franzose Böhm erfand die nach ihm benannte Klarinette.

6. Die Stimmung stieg vom Barock (415hz) über die Klassik (430hz) bis heute (440hz) an.

7. Das Oehler-System fixiert durch seine Perfektion den Endpunkt der Klarinetten-Entwicklung.

Diese Punkte gilt es im Folgenden zu klären, für manchen Punkt müssen wir zur Verdeutlichung möglicherweise den schmalen Pfad „Klarinette“ verlassen und nach rechts und links schauen: Können historische Ereignisse ein Instrument beeinflussen? Hat eine gesellschaftliche Entwicklung Folgen für die Musik? Was heißt eigentlich Entwicklung oder Fortschritt?

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Kategorien: Geschichte(n) der Klarinette, Instrumentenbau | Hinterlasse einen Kommentar

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