…muß ja gerafft und seriös sein,so ein Text… – 2012

„Zu Hause kehrte ich bei den heimelig frommen oder schauerlichen Geschichten des Mittelalters oder bei den behaglichen alten Novellisten ein, deren schöne und wohlige Welt mich wie ein schattiger, dämmernder Märchenwinkel umschloss, oder ich fühlte die wilde Woge moderner Ideale und Leidenschaften über mich wegrollen. Dazwischen hörte ich Musik“       aus: Hermann Hesse:  Peter Camenzind (1904)

An der Schwelle zum 20sten Jahrhundert ist nicht nur in der Kultur, sondern in allen Bereichen der Geistes- und Naturwissenschaften  eine kreative Energie freigesetzt worden, von der wir bis heute zehren können.
Gesellschaftliche Umbrüche und Verwerfungen, Erfindungen, Entdeckungen, Kriege, haben unterschiedlichste Ideen zur Neuordnung geboren. Aus diesem sich immer schneller drehenden Karussell der Entwicklungen werden Ideen herausgeschleudert, der Schwindel wird als neue Sicht auf die Welt gepriesen, oder im Dunst von Rauchschwaden, zwischen Kokain beflügelter Euphorie und Absinth vernebelter Melancholie wird über Psychoanalyse und Okkultismus diskutiert.
In diesem Zwielicht entsteht eine Musik, die  Neues wagt, sich aus althergebrachtem nicht völlig lösen kann, neue Regeln sucht, national gefärbt sein darf oder den Anspruch auf universelle Weltgeltung haben will.
CLARIMONIA bewegt sich an dieser Grenze der „alten Musik“ und betrachtet den Geist dieser Zeit, aus der Perspektive ihrer selbst, und versucht etwas Licht ins „Zwie-„ der Dämmerung  zu bringen.
Zu hören sind Werke aus Europa und den USA, gespielt auf drei B-Klarinetten, oder auf C-  B- oder  A- Klarinette mit Bassetthorn. Teilweise erklingen Nachbauten und ein Originalinstrument aus der Zeit um 1875, ansonsten speziell für diesen Anlass konzipierte Buchsbaum- Instrumente mit reduzierter  Mechanik und deutscher Griffweise, die eine Klangmischung ermöglichen, welche mit herkömmlichen modernen Instrumenten nicht zu erreichen gewesen wäre.
Die Literatur selber ist zum Teil original für drei Klarinetten komponiert, teilweise aber eigens für diese Instrumente transkribiert, um sie dem Vergessen bzw. der Missachtung des allgemeinen Schubladendenkens zu entreißen.
Diese Mixtur lässt  über die Rückblende den direkten Vergleich zur Jetztzeit zu und demonstriert eine neue Farbigkeit, die aus den Schatten des Zwielichtes gewonnen wird.
CLARIMONIA wurde 1999 von dem Instrumentenmacher Jochen Seggelke ins Leben gerufen. Ursprünglich als eine Interessengemeinschaft für historische Klarinetteninstrumente wurde die Idee verfolgt, die Musik der alten Meister auf denjenigen Instrumenten zu spielen, die zur jeweiligen Entstehungszeit passen. Voraussetzung hierfür ist ein optimales Material, also exakte Kopien von historischen Vorlagen (Instrumente, Mundstücke, Blätter )sowie profunde Kenntnisse über die Literatur selber. Aus diesen Anfängen heraus entwickelte sich rasch eine rege Konzerttätigkeit. Aufgrund des offensichtlichen Bedarfs an Wissen und Möglichkeiten verstärkte sich nach und nach die Weitergabe beider Grundlagen an Studenten, so besucht CLARIMONIA diverse deutsche Hochschulen, reist aber auch durch die ganze Welt um Meisterkurse und Fortbildungen zu geben. Regelmäßig sind Bern und Tokio auf der Reiseliste, aber auch USA Spanien und Österreich werden angesteuert. 

 

 

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Kategorien: CLARIMONIA@twilight - Musik des "fin de siécle", Tonträger | Hinterlasse einen Kommentar

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