Der ursprüngliche CD-Text – 2011

Adalbert Nudera ist ein wunderbares Beispiel für einen Komponisten über den es viele Vermutungen aber nur wenig gesicherte Tatsachen zu berichten gibt. Leider wird dieser Umstand auch nicht dadurch geändert, dass alle möglichen Autoren und selbsternannte Wissenschaftler über viele Jahre hinweg sich gegenseitig  immer wieder zitieren und wiederholen.
Was bleibt? Alle Angaben über A.Nudera (1748-1811) basieren auf zwei Quellen. Zum einen bei Gerbers Tonkünstler-Lexikon 3.Band, Leipzig, von 1813:
„Nudera (Adalbert) Violinist bei dem Kathedralorchester am Wischerad zu Prag ums Jahr 1796, gehört nicht nur unter die guten Spieler seines Instruments, sondern ist auch Komponist, mancher wohl aufgenommenen Instrumentalstücke, von denen auch gestochen worden ist: Andantino avec 8 Variations pour la Clarinette et Fagotte oblig. avec accomp. de 2 Violons, 2 Cors et B. Op.1 Gotha und Petersburg, bei Gerstenberg, 1796.“
Zum Anderen bei G.J.Dlablacz Künstlerlexikon für Böhmen, Prag, von 1815:
„Nudera, A., von ihm ist im Jahre 1797 ein Andantino avec VIII variations pour la Clarinette et Fagotte obligées avec l’accompagnement de deux Violons, deux Cors de chasse, et Basse composées, in der Calvischen Buchhandlung in Prag verkauft worden.“
„Nudera, ein Violinspieler an der Kollegialkirche zu St.Peter auf dem Wischerad 1796. Er hat verschiedene Menuetten; deutsche Tänze, Sonetten und Trios bekannt gemacht. Auch habe ich ein Te Deum, und einige Litaneien von ihm gesehen.“

Gibt es jetzt einen oder zwei Komponisten gleichen Namens uns handelt es sich hier überhaupt um „unseren“ Nudera? Diese Frage sollen Historiker beantworten, denn so entscheidend für eine Aufnahme seiner Werke für drei Bassetthörner ist in diesem speziellen Fall weniger die Frage nach dem Komponisten als mehr die Frage nach der Musik selbst. Da fällt erst einmal auf: es gibt anscheinend ein Trio aus Bassetthorn-Spielern in Prag um 1800 – in dem Prager Nationalmuseum, aus der das Notenmaterial für die „Divertimenti1-5“ stammt, liegen aus dieser Zeit etliche Werke für Bassetthorn-Trio, man kann diese Besetzung als eigenständige Gattung verstehen. Viele dieser Werke sind keine Konzertstücke im heutigen Sinn, sondern verstehen sich als Musik zum Zeitvertreib und Vergnügen bei Gesellschaften oder Festivitäten. Zeitgleich gibt es in Wien das gleiche Phänomen, bei der Musik aus Prag jedoch entwickelt sich eine selbstständige Ironie in der Musik – heute sprechen wir vom böhmischen Witz und wissen, dass es sich hierbei oftmals um den Galgenhumor eines jahrelang unterdrückten Volkes handelt, welches keine andere Möglichkeit des Widerstandes gegen die Obrigkeit hatte als die Satire. Was also bisweilen als naive Einfachheit  erscheint, mag oft als Karikatur derselben gemeint sein. Anders als bei Mozart,Stadler und Druschetzki versteht Nudera seine Trios als 5 festgelegte progressive Divertimenti und nicht als lose Sammlung von 25,18 oder 33 Einzelsätzen, die nach Belieben und Bedarf zusammengestellt werden sollen.

Um welches Instrument handelt es sich überhaupt wenn wir von einem Bassetthorn sprechen?
Unter „wissen.de“ findet man: „Das Bassetthorn ist eine Altklarinette in F oder Es mit vier Zusatzlappen, die die Tiefe bis C erweitern (…) und einem aufgebogenen Metallschallstück wie bei einem Saxophon.“ -?-?- Wieder ein schönes Beispiel für leider falsch abgeschrieben! Eigentlich gehört das Bassetthorn in die Gruppe der “Corno“-Familie, wie das Corno inglese (Englischhorn), das Corno da caccia, oder eben das Corno di bassetto im Sinne von kleiner Basso. Es ist in der Regel in F gestimmt, um 1800 gerne auch in G (analog zur Solostimmung bei Kontrabässen), bei G.Druschetzki vermutlich auch in D. Verbreitet war das Bassetthorn ab den 1770er Jahren in Wien, kurz darauf auch in Böhmen, beliebt als Trio zur Unterhaltung und als Harmoniemusikbesetzung. Höhepunkt der Verbreitung war gegen 1800, ab ca. 1820 Verschwindet es wieder aus der Instrumentalliteratur um erst ab 1890 wiederentdeckt zu werden.
Die Bassetthörner, die bei dieser Aufnahme verwendet wurden, sind Kopien nach Instrumenten von Hammig jun., Wien um 1800, die von Schwenk&Seggelke zwischen 1990 und 2008 hergestellt wurden. Diese Instrumente können neben ihrer Funktion als Bassinstrument vor allem durch die klangliche Mischungsfähigkeit und Nähe zu den Klarinetten als Fortsetzung in die Tiefe überzeugen. In seiner technischen Wendigkeit stehen sie den Klarinetten nicht nach, und so kann der Hörer oft erst nach einer Weile erkennen, dass tatsächlich drei gleiche Instrumente spielen und weder Sopran- noch Bass-Lage einen eigenen Klangkörper benötigen.

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Kategorien: Adalbert Nudera - Bassethorntrios, Tonträger | Hinterlasse einen Kommentar

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