Monatsarchiv: Juni 2013

…muß ja gerafft und seriös sein,so ein Text… – 2012

„Zu Hause kehrte ich bei den heimelig frommen oder schauerlichen Geschichten des Mittelalters oder bei den behaglichen alten Novellisten ein, deren schöne und wohlige Welt mich wie ein schattiger, dämmernder Märchenwinkel umschloss, oder ich fühlte die wilde Woge moderner Ideale und Leidenschaften über mich wegrollen. Dazwischen hörte ich Musik“       aus: Hermann Hesse:  Peter Camenzind (1904)

An der Schwelle zum 20sten Jahrhundert ist nicht nur in der Kultur, sondern in allen Bereichen der Geistes- und Naturwissenschaften  eine kreative Energie freigesetzt worden, von der wir bis heute zehren können.
Gesellschaftliche Umbrüche und Verwerfungen, Erfindungen, Entdeckungen, Kriege, haben unterschiedlichste Ideen zur Neuordnung geboren. Aus diesem sich immer schneller drehenden Karussell der Entwicklungen werden Ideen herausgeschleudert, der Schwindel wird als neue Sicht auf die Welt gepriesen, oder im Dunst von Rauchschwaden, zwischen Kokain beflügelter Euphorie und Absinth vernebelter Melancholie wird über Psychoanalyse und Okkultismus diskutiert.
In diesem Zwielicht entsteht eine Musik, die  Neues wagt, sich aus althergebrachtem nicht völlig lösen kann, neue Regeln sucht, national gefärbt sein darf oder den Anspruch auf universelle Weltgeltung haben will.
CLARIMONIA bewegt sich an dieser Grenze der „alten Musik“ und betrachtet den Geist dieser Zeit, aus der Perspektive ihrer selbst, und versucht etwas Licht ins „Zwie-„ der Dämmerung  zu bringen.
Zu hören sind Werke aus Europa und den USA, gespielt auf drei B-Klarinetten, oder auf C-  B- oder  A- Klarinette mit Bassetthorn. Teilweise erklingen Nachbauten und ein Originalinstrument aus der Zeit um 1875, ansonsten speziell für diesen Anlass konzipierte Buchsbaum- Instrumente mit reduzierter  Mechanik und deutscher Griffweise, die eine Klangmischung ermöglichen, welche mit herkömmlichen modernen Instrumenten nicht zu erreichen gewesen wäre.
Die Literatur selber ist zum Teil original für drei Klarinetten komponiert, teilweise aber eigens für diese Instrumente transkribiert, um sie dem Vergessen bzw. der Missachtung des allgemeinen Schubladendenkens zu entreißen.
Diese Mixtur lässt  über die Rückblende den direkten Vergleich zur Jetztzeit zu und demonstriert eine neue Farbigkeit, die aus den Schatten des Zwielichtes gewonnen wird.
CLARIMONIA wurde 1999 von dem Instrumentenmacher Jochen Seggelke ins Leben gerufen. Ursprünglich als eine Interessengemeinschaft für historische Klarinetteninstrumente wurde die Idee verfolgt, die Musik der alten Meister auf denjenigen Instrumenten zu spielen, die zur jeweiligen Entstehungszeit passen. Voraussetzung hierfür ist ein optimales Material, also exakte Kopien von historischen Vorlagen (Instrumente, Mundstücke, Blätter )sowie profunde Kenntnisse über die Literatur selber. Aus diesen Anfängen heraus entwickelte sich rasch eine rege Konzerttätigkeit. Aufgrund des offensichtlichen Bedarfs an Wissen und Möglichkeiten verstärkte sich nach und nach die Weitergabe beider Grundlagen an Studenten, so besucht CLARIMONIA diverse deutsche Hochschulen, reist aber auch durch die ganze Welt um Meisterkurse und Fortbildungen zu geben. Regelmäßig sind Bern und Tokio auf der Reiseliste, aber auch USA Spanien und Österreich werden angesteuert. 

 

 

Kategorien: CLARIMONIA@twilight - Musik des "fin de siécle", Tonträger | Hinterlasse einen Kommentar

Zeitschiene – leider zu groß für ein CD-Büchlein (und damit ein Argument für die gute alte Vinylscheibe) – 2012

1889:

Edison: erster Phonograph als öffentlicher Musikautomat  –  G.Mahler 1.Sinfonie –  100 Jahre fr.Revolution-deswegen Eiffelturm  –  Paris: Moulin-Rouge  –  Worpswede: Gründung der Künstlerkolonie  –  Kyoto: Gründung von Nintendo  –  Paläontologie: erster Fund eines Triceratops  –  F.Nietzsche wird Geisteskrank

1890:

Kalifornien: Gründung des Sequoia-Nationalpark  –  Japan: Meiji-Verfassung  –  Antwerpen: königl.Museum der schönen Künste  –  Behring: Diphterie-Serum  – Uraufführungen: Masagni: Cavaleria Rusticana, Borodin: Fürst Igor, Tschaikovski: Pique Dame, Tschaikovski: Dornröschen

1891:

1.Intenationale Elektrische Ausstellung in Ffm  –  erste Telefonleitung durch den Ärmelkanal  –  Firmengründungen: Philips, Brown-Bovery, Wrigleys  –   P.Gaugin reist nach Tahiti  –  James Naismith erfindet Basketball

1892:

Cholera-Epidemie in Hamburg  –  Gründung der GeneralElectricCompanie

1893:

Rudolf Diesel erhält das Patent auf seinen Motor  –  Humperdinck: Hänsel und Gretel UA in Weimar  –  K.May: Winnetou 1-3 erscheinen

1894:

A.Yersin findet den Pesterreger  –  C.Debussy: Prelude à l’après midi d’un faune  –  Paris: erster Striptease  –  erstes Autorennen

1895:

Kaiser Wilhelm Kanal eröffnet –  W.C.Röntgen R-Strahlen  –  Gebr.Lumiere: erste Filmvorführung (2Monate zuvor bereits durch Max und Emil Skladanowsky in Berlin)  –  Th.Fontane: Effi Briest  –  H.G.Wells: Time Machine  –  G.Mahler: 2.Sinfonie  –  R.Strauss: Till Eulenspiegel  –  L.Pasteur entwickelt die Pasteurisierung  –  London: die ersten Promenadenkonzerte finden statt  –  Zürich: Einweihung der Tonhalle  –  der Nobelpreis wird gestiftet

1896:

Goldrausch am Klondike  –  A.H.Bequerel entdeckt die Radioaktivität  –  G.Marconi/N.Tesla: Radiowellen  –  G.Puccini: La Boheme  –  Athen: erste Olympische Spiele der Neuzeit  –  Paris-Roubaix zum ersten Mal  –  Erstausgabe des „Simplicissimus“

1897:

F.Hoffmann (Bayer/Elberfeld) synthetisiert Aspirin und Heroin –  B.Stoker: Dracula  –  Wien: Riesenrad  –  VfB Oldenburg  –  J.Brahms†

1898:

Verbot sozialdemokratischer Pädagogen an preußischen Hochschulen –  Zeppelin erhält Patent auf sein Luftschiff  –  Gründungen: Goodyear, Deutsche Grammophon Gesellschaft –  Entdeckung von Krypton, Xenon, Polonium, Radium  –  Cuxhaven: Aufnahme des deutschen Seefunks  –  Wien: Eröffnung der Volksoper –  R.Strauss: Don Quixote

1899:

Dortmund-Ems-Kanal eröffnet –  S.Freud: Traumdeutung –  P.Linke: Frau Luna

1900:

Paris: Weltausstellung und Olympische Spiele und Einweihung der Metro – Bodensee: Jungfernflug der LZ1 –  M.Planck: Strahlungsgesetz (Grundlage der Quantentheorie) –  G.Puccini: Tosca – J.Sibelius: Finlandia – C.Debussy: 3 Nocturnes

1901:

Wuppertal: Eröffnung der Schwebebahn  –  Th.Mann: Buddenbrooks  –  G.Mahler: 4.Sinfonie  –  E.Elgar: Pomp and Circumstance  –  A.Strindberg: Totentanz  –  A.Tschechow: Drei Schwestern  –  G.Verdi†

1902:

G.Büchner: Dantons Tod  –  P.Rossegger: Als ich noch ein Waldbauernbub war  –  A.C.Doyle: Der Hund von Baskerville  –  C.Debussy: Pelleas et Melisande  –  „Die Reise zum Mond“ wird verfilmt  –  Berlin: Gründung der ersten Volkshochschule  –  Berlin: Erste U-Bahn wird eingeweiht  –  Detroit: Cadillac-Gründung

1903:

Detroit: Gründung von Buick und Ford  –  Gebr.Wright: erster Motorflug  –  München: Deutsches Museum wird eröffnet  –  Berlin: Gründung AEG  –  Rekordgeschwindigkeit von 210km/h wird in Deutschland mit Elektrozug erreicht

1904:

Gründung Rolls-Royce  –  U-Bahn in NewYork  –  H.Hesse: Peter Camenzind  –  J.London: Der Seewolf  –  A.Tschechow: Der Kirschgarten  –  UA: L.Janacek:Jenufa – G.Puccini:Madame Butterfly – R.Strauss:Sinfonia Domestica – G.Mahler:5.Sinfonie – Ch.Ives:Marsch1776

1905:

„Annus mirabilis“ (Wunderjahr) der Wissenschaft: 4 Aufsätze von A.Einstein werden veröffentlicht, einer davon die „spezielle Relativitätstheorie“  –  H.Mann: Professor Unrat  –  Ch.Morgenstern:Galgenlieder  –  R.M.Rilke:Das Stundenbuch  –  L.Thoma:Lausbubengeschichten  –  UA: G.Mahler:Kindertotenlieder –A.Schönberg: Pelleas und Melisande-C.Debussy:La mer-J.Sibelius:Violinkonzert-R.Strauss:Salome-F.Lehar:Die lustige Witwe  –  G.Fauree wird Leiter des Conservatoires  –  Gründung der Oper Nürnberg

1906:

Karl Nessler erfindet die Dauerwelle  –  Krupp baut das erste deutsche U-Boot  –  Alois Alzheimer entdeckt seine Krankheit  –  UA: G.Mahler: 6.Sinfonie

1907:

Berlin: Hotel Adlon und Strandbad Wannsee eröffnet  –  erste „Ben Hur“-Verfilmung

1908:

Ford baut „ModellT“  –  HH: Eröffnung der „Laeisz-Halle“  –  G.Mahler geht an die MET  –  UA: Mahler: 7.Sinfonie, A.Skrjabin: Poeme de l’Extase

1909:

R.E.Peary erreicht den Nordpol (?)  –  L.Bleriot überfliegt den Ärmelkanal  –  UA: R.Stauss: Elektra, A.Borodin: Polowetzer Tänze, N.Rimski-Korsakov: Der goldene Hahn, F.Lehar: Der Graf von Luxemburg

1910:

Zürich: Kunsthaus eröffnet  –  Los Angeles: County Museum of Art eröffnet  –  UA: G.Mahler: 8.Sinfonie, F.Lehar: Zigeunerliebe, I.Stravinski: Der Feuervogel

1911:

R.Amundsen entdeckt den Südpol  –  HH: Einweihung des Elbtunnels  –  Dänemark: erstes Schiff mit Dieselantrieb  –  München: Eröffnung der Kammerspiele  –  Gründung „Blauer Reiter“  –  UA: R.Strauss: Der Rosenkavalier, I.Stravinsky: Petruschka, M.Ravel: Die spanische Stunde, G.Mahler: Das Lied von der Erde, H.v.Hoffmannsthal: Jedermann

1912:

Scott-Drama am Südpol  –  A.Wegener stellt Kontinentaldrift vor  –  Berlin: erste Diesellok  –  Merck synthetisiert MDMA (Ecstasy)  –  Olympia in Stockholm mit Kunstwettbewerben  –  R.Strauss: Ariadne auf Naxos  –  Jungfernfahrt der Titanic

 

 

Kategorien: CLARIMONIA@twilight - Musik des "fin de siécle", Historie | Hinterlasse einen Kommentar

Twilight – KEINE blutsaugende Hollywood-Schnulze – 2012

Bei der Beschäftigung mit musikhistorischen Grauzonen stieß CLARIMONIA in den vergangenen Jahren immer wieder auf jenen kurzen Zeitabschnitt, der gemeinhin als das „fin de siécle“ bezeichnet wird. Innerhalb dieser „Epoche“ wiederum häuften sich zumeist amerikanische Werke, die als Gemeinsamkeit den Begriff „Twilight“ in sich tragen. Um welchen Zeitraum handelt es sich dabei eigentlich genau, und ist die Bezeichnung „Epoche“ überhaupt richtig?
Nachschlagewerke legen das „fin de siécle“ auf die Jahre 1890 bis 1914 fest. Dies sind schöne glatte Zahlen, bei genauerer Betrachtung wird man auf den Zeitraum von 1889 bis 1912 kommen. Während die Welt damals politisch mit Höchstgeschwindigkeit sehenden Auges auf den Abgrund zusteuerte, schritt die kulturelle Entwicklung  in dieser Zeit, was die nachhaltig stilbildenden Einzelwerke sowie deren Gesamtmasse überhaupt betrifft, in explosionsartigen Riesenschritten voran. Kaum ein Jahr verging, ohne dass ein neues Opernhaus oder eine neue Kunsthalle/Museum eröffnet wurde, in jedem Jahr wurde eine neue Oper von R.Strauss oder G.Puccini , gleichermaßen eine Operette von F.Lehar uraufgeführt. Zeitgleich zum Aufkeimen des französischen Impressionismus entdeckte J.Brahms die Klarinette für seine Musik, während in Amerika ein Charles Ives bereits an den Ketten der Konvention zerrt. Damit nicht genug: Die Anzahl der geographischen Neuentdeckungen, technischen Erfindungen und wissenschaftlichen Entwicklungen, die bis heute Bestand haben, ist kaum zu überschauen – stellvertretend seinen hier nur schlagzeilenartig das gesamte Kommunikations- und Transportwesen, die Medizin und das große Thema Elektrizität genannt.
Auf diesem geistig-kulturellen Nährboden entstand die Musik der vorliegenden „Twilight“ Stücke, das Wort alleine beinhaltet ja nicht nur das Zwielicht oder die Dämmerung, sondern auch eine morbide Ahnung von Untergang und Ende. 

Das große Thema „fin de siécle“, dieser pulsierende Zeitraum von 1889 bis 1912, kann Aufgrund der außerordentlichen Vielfalt der kulturellen Strömungen nicht als Stilepoche bezeichnet werden, es sei denn, man möchte gerade diese Uneinheitlichkeit als stilbildend bezeichnen. Diese Frage ist aber genauso unerheblich wie der Name „fin de siécle“ selber – warum nennen wir diesen Zeitabschnitt nicht „Twilight“? Entscheidend sind die von Symbolen geprägten Eckdaten: 1889 wurde zum 100. Jubiläum der Revolution in Paris mit dem Eiffelturm das damals höchste Gebäude der Welt fertig gestellt. Dies galt als endgültiger Sieg des Menschen und der Technik über die Natur, auch wenn die Pariser Bürger das Gebäude nach der anstehenden Weltausstellung aus ästhetischen Gründen wieder abreißen wollten. Die Energie dieser unbedingten Fortschrittsgläubigkeit kollabierte unvermittelt 1912, in dem Jahr, welches durch den Bau des größten, schnellsten und sichersten Schiffes namens „Titanic“ zu einem weiteren Triumph werden sollte – das Ende ist hinlänglich bekannt.
Als Beispiel für die Kreativkraft dieses kurzen Zeitabschnittes sei hier stellvertretend das Jahr 1905 näher betrachtet: Das neue Opernhaus in Nürnberg wird nach mehrjähriger Verzögerung fertig gestellt. „Salome“ und „Die lustige Witwe“ werden uraufgeführt, genauso wie das Violinkonzert von Sibelius, Mahlers „Kindertotenlieder“ und Debussys „La Mer“. H.Mann veröffentlicht „Prof.Unrat“, Morgenstern die „Galgenlieder“ und Thoma die „Lausbubengeschichten“. Die Naturwissenschaftler erklären das Jahr zum „Annus mirabilis“ – Voraussetzung für solch ein Wunderjahr ist das Zusammenkommen mehrerer Einzelereignisse, die die Menschheit nachhaltig prägen. Dieses Wunderjahr wurde bisher überhaupt nur zweimal ausgerufen: 1666 in England(Newton) und eben 1905 mit den vier großen Aufsätzen von Einstein, die die Welt bis heute beschäftigen. Zur Zeit des Erscheinens aber waren Begriffe wie „Relativität“ oder „Lichtgeschwindigkeit“ in aller Munde und gerade in der selbsternannten feinen Gesellschaft der Salons und Bälle wurden diese heiß diskutiert.—  Es ist kaum vorstellbar, dass heute in einer Fernsehshow oder Illustrierten die neuesten Erkenntnisse der Physik eine so entscheidende Rolle spielen könnten.

 

Kategorien: CLARIMONIA@twilight - Musik des "fin de siécle", Tonträger | Hinterlasse einen Kommentar

CD Booklet-Text – möglicherweise… – 2008

Clarimonia: En Suite

Musik für zwei Klarinetten und Bassetthorn bzw. Horn aus drei Jahrhunderten

Wilhelm Altenburg,  schrieb1904:

„Den Ausübenden Musikern wie den Zöglingen der Musikschulen kann nur angeraten werden, wo die Gelegenheit sich bietet, in den vorhandenen Sammlungen sich über alle bestehenden Orchesterinstrumente eine gewisse Einsicht zu verschaffen ,namentlich aber über die einzelnen Entwicklungsstufen ihres eigenen Instrumentes eine hinreichende Anschauung zu gewinnen. Eine derartige Erweiterung ihres Gesichtskreises kann nur fördernd wirken und wird manche irreführenden Vorurteile zerstreuen.“(in:Altenburg:“Die Klarinette“ Heilbronn 1904)

Clarimonia  hat diesen Satz als Leitmotiv gewählt und verfolgt seit Jahren in seinen Konzerten und Workshops das Ziel, sein Publikum mit der Entwicklungsgeschichte der Klarinette am Beispiel der dazu passenden Musik vertraut zu machen.
Es müssen nicht immer drei gleiche Instrumente sein: die im Konzert bereits erprobte Mischbesetzung mit 2 Klarinetten und einem Bassetthorn zieht sich wie ein roter Faden durch die Literatur der Jahrhunderte. Darüber hinaus bietet der Gedanke des 18. Jahrhunderts, Musik nicht nur in einer überlieferten Besetzung aufzuführen, sondern für ein gerade zur Verfügung stehendes Ensemble zu adaptieren, reiche Möglichkeiten zur Programmerweiterung.
Die vorliegende CD spannt den Bogen von der frühesten Form der Klarinette nach Jakob Denner (1681-1735) bis zu dem Instrument, mit dessen Unterstützung Richard Mühlfeld (1856- 1907) einst zu einem der heute noch berühmtesten Klarinettenvirtuosen geworden ist. Die Klarinetten von Georg Ottensteiner (1815-1879) stellen die Grundlage des heutigen deutschen Klarinettensystems dar und können als ein Höhepunkt der Klarinettenbaukunst gewertet werden.
Die Klarinetten in C nach Bühner und Keller, Straßburg (ab1806) vereinen das elegante Aussehen eines französischen Instruments mit dem vollen, zentrierten Klang einer eher wienerisch anmutenden Klarinette. So könnte Joseph Pranzer als gebürtiger Österreicher in der damaligen Musikhaupstadt Paris seine Musik auch gehört haben.
Aus Sachsen kommt das Vorbild der B- Klarinetten nach Heinrich Grenser, Dresden (1768?-1813). Im Museum des Musikwinkels Markneukirchen aufbewahrt, legen diese Instrumente Zeugnis ab für die handwerkliche Präzision und den Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten, mit dem diese Klarinetten aufhorchen lassen. Grensers Baustil war der Archetyp der Klarinette zwischen 1790 und 1840, seine Arbeit wurde weit über Sachsens Grenzen hinaus imitiert.
Dem Bassetthorn nach Hammig Jun., Wien um 1800, war die erste CD von Clarimonia in Gänze gewidmet. Hier kann es neben seiner Funktion als Baßinstrument vor allem durch die klangliche Mischungsfähigkeit und Nähe zu den Klarinetten als Fortsetzung in die Tiefe überzeugen. In seiner technischen Wendigkeit steht es den Klarinetten nicht nach, und so kann der Hörer oft erst nach einer Weile erkennen, dass die Melodie gerade im hohen Register des Bassetthorns geführt wird.
Wilhelm Heckels Fagotte genießen heute noch Weltruf, kaum jemand weiss allerdings heute noch, welch hervorragende Bassetthörner und Bassklarinetten bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts in dieser Firma entwickelt und gebaut wurden. Grundlage des seit 1998 von Schwenk & Seggelke gebauten Bassetthorns ist ein Instrument von 1905 aus dieser Werkstatt. So kommt hier zu den Buchsbaum- Klarinetten ein aus Cocobolo gefertigtes Bassetthorn zum Einsatz, dessen Schallbecher ebenfalls aus Holz gefertigt ist, und dessen S- Bogen (der Verbindungsteil zwischen Mundstück und Oberstück) ebenfalls aus einer hölzernen abgewinkelten Verbindung besteht. So wird wieder die in der Klassik bereits etablierte klangliche  Nähe von Klarinette und Bassetthorn erreicht.
Nach einigen Experimenten mit verschiedenen Hörnern haben sich die Musiker von Clarimonia  für die Händel- Ouvertüre auf ein offen gespieltes französisches Jagdhorn geeinigt. Diese Wahl wird dem musikalische Charakter der Ecksätze bestens gerecht, die Jagd- Motivik lässt sich auf einem nicht mit der Hand im Schallbecher „gestopften“Horn wesentlich besser zum klingen bringen. Dass auch auf den Klarinetten die Naturtöne f und a entsprechend den Möglichkeiten des Horns anders klingen als auf gleichschwebend intonierten Instrumenten, gibt diesem Werk seinen besonderen Charakter zurück.
Joseph Pranzer (17??-18??) Trio Nr.2 C- Dur, Sätze: Allegro, Largo ,Rondo
Gespielt auf 2 Klarinetten in C nach Bühner & Keller, Bassetthorn in F nach Hammig jun.
Über das Leben von Joseph Pranzer ist kaum etwas bekannt. Gesichert ist, dass er tatsächlich gelebt hat und kein Pseudonym darstellt. Pranzer nennt sich selber Schüler von Joseph Haydn, ein Verhältnis ,welches heute zwar nur schwer zu verifizieren ist, dafür aber ein Anhaltspunkt für das zeitliche wie stilistische Umfeld seiner Kompositionen gibt. Die Behandlung der Klarinette und ihre figurative Virtuosität ließe auch eine Nähe zu Ignaz Pleyel (1782-1850) vermuten, der seinerseits erwiesenermaßen Schüler von Haydn war. Pranzers Spuren führen, parallel zu Pleyel, von Wien nach Paris, wo er noch einige Werke vor allem für Flöte bzw. Klarinette veröffentlich hat, leider sind weder genaue Lebensdaten noch Details seiner Vita bekannt.
Die vorliegende Fassung des Trios Nr.2 für zwei C-Klarinetten und Bassetthorn hat „Clarimonia“ aus der Originalfassung (zwei Klarinetten und Fagott) behutsam entwickelt. Diese Vorgehensweise war im ausgehenden 18.Jahrhundert durchaus üblich und verbreitet, da die   Instrumentalstimmen weitgehend variabel gehandhabt wurden. Als Quelle dient der Stimmensatz der Trios aus dem Kloster Einsiedeln in der Schweiz.
Konradin Kreutzer (1780-1849) Trio , Sätze: Allegro,Adagio,Rondo
Gespielt auf 2 Klarinetten in B nach Heinrich Grenser, Bassetthorn in F nach Hammig jun.
Schon 1959 fordert Reclams Kammermusikführer, Konradin Kreutzers kammermusikalisches Schaffen dürfe, vor allem wenn es Bläser mit einbezieht, keineswegs in Vergessenheit geraten. Wie konnte es trotzdem dazu kommen?
Zum einen hat Kreutzer ,1780 in Meßkirch/Baden geboren und in ärmlichen Verhältnissen 1849 in Riga gestorben, 30 Opern und zahllose Chorlieder geschrieben, die seine Instrumentalmusik zu Unrecht in die zweite Reihe drängen . Zum anderen aber hat er immer wieder mit ungewöhnlichen Besetzungskombinationen experimentiert, sodass man eine wiederkehrende Gattung vergeblich sucht.
Sein Trio –original für 2 B-Klarinetten und Viola- fällt vor allem durch scheinbar nicht zusammenhängenden Satztonarten auf (B-Dur,d-moll,G-Dur) ,jedoch macht dieser tonale Gegensatz gerade den besonderen Reiz dieses Werkes aus .Es bietet sich die Version mit Bassetthorn anstelle der Viola an.
Giuseppe di Blumenthal (1782-1850) Trio …..Sätze:Air du Ballet d´Herrman de Unna,Marche de Charles XII près de Narva,Romance africaine,Marche des Chevaliers de l´Ordre des Seraphims en Suede,De l´Opera :Samori,L´invocation du Soleil en Laponie.
Giuseppe di Blumenthal –eigentlich Joseph Baron von Blumenthal- lebte von 1782 bis 1850.
Obwohl hauptberuflich Baron und „nur“ Hobbykomponist entwickelte er ein erstaunliches Gespür für Kammermusikklänge, namentlich die Weiterverarbeitung bereits vorhandener Werke beflügelte ihn offenbar zu genialen Momenten .In den von ihm erhaltenen ca. 50 Werken findet man so Paraphrasen für Streichquartett über Auber´s  „Fra Diavolo“ und Bellini´s  „La Straniera“. Das vorliegende Trio für zwei Klarinetten und Bassetthorn basiert auf Themen aus Opern von Georg Joseph „Abbé“ Vogler (1794-1814). In seiner heute unbekannten Oper „Hermann von Unna“ besetzt Vogler ein Bassetthorntrio solistisch .Die von Blumenthal vorgenommene Änderung der Besetzung ist sicherlich kein Zugeständnis an die Geschäftstüchtigkeit des Verlegers –Blumenthal war finanziell unabhängig- sondern die klangliche Erweiterung des bekannten reinen Bassetthorntrios.
Robert Stark Trio g-moll op 49 Sätze: Allegro maestoso,Adagio,Allegro molto quasi Presto
Gespielt auf 2 Klarinetten in B nach Georg Ottensteiner und Bassetthorn in F, Schwenk & Seggelke.
Robert Stark (1847-1922) trat weniger als Komponist in den Vordergrund als vielmehr durch sein großes Lehrwerk „Große theoretisch-praktische Clarinet-Schule nebst Anweisung zur Erlernung des Bassetthorns und der Baßclarinette“ .Dieses als op. 49 bekannt gewordene umfangreiche Werk wurde 1892 erstmals veröffentlicht und galt von Beginn an als Antipode zu Carl Baermanns 1864-1875 erschienenem Lehrwerk .So scheint bei Baermann immer der Geist C.M.v.Werbers anwesend zu sein ,während Stark die technische Perfektion ohne Geister in den Vordergrund  rückt .Sein Verleger Schmidt bewarb diese neue Schule :“Die Zeiten sind längst vorüber ,in welchen der Clarinettist je nach dem Charakter der Tonart die A-,B- oder C-Clarinette auswählte .Mit der fortschreitenden Vervollkommnung der Clarinette stiegen gleichzeitig die Ansprüche der Componisten an dieses Instrument ganz außerordentlich.“ Oskar Kroll  schreibt schon 1944, nur durch die bedauerliche Einseitigkeit vieler Klarinettisten seien Baermann und Stark zu Konkurrenten gestempelt worden, hier der Künstler dort der Techniker- hat sich daran bis heute viel geändert? Die Sonate für zwei Klarinetten und Bassetthorn aus op.49 wird bis heute in der vermeintlich wesentlichen Fachliteratur wenn überhaupt erwähnt, dann als ein nur zu Studienzwecken interessantes Werk, welches auf der Bühne keinerlei Berechtigung habe. Warum das so ist, lässt sich nur vermuten, an der Musik selbst kann es wohl kaum liegen.
Georg Friedrich Händel Ouverture in D HWV… Sätze:Andante-Allegro ma non troppo,Larghetto,Andante Allegro,Allegro
Gespielt auf 2 Klarinetten in D nach Jakob Denner und Corno da Caccia in D.
Als Gast bei Clarimonia hören Sie Joaqim Palet.
Georg Friedrich Händel (23.2.1685-14.4.1759) schrieb seine „Ouverture“ für zwei Klarinetten in D und Jagdhorn in D um 1744 in London. Dies ist bemerkenswert wenn man bedenkt dass die Erfindung der Klarinette in Nürnberg noch nicht lange zurück lag, und der Informationsfluss in der damaligen Zeit langsamer war. So schreibt J.G.Walther in seinem „Musikalischen Lexicon“ von 1732 über die Klarinette : „von Ferne einer Trompete ziemlich ähnlich“ ,J.C.Weigel aber in seinem „Musikalischen Theatrum“(1722) : „Waan der Trompeten-Schall will allzulaut erthönen – so dient das Clarinet auf angenehme weiß – es darff en hohen Thon auch niedern nicht entlehnen – und wechselt lieblich um ; Ihm bleibt hierdurch der preiß“.
Dieser scheinbare Widerspruch klärt sich bei Händel wenn man auf die frühen Klarinettisten schaut, für die er dieses Werk geschrieben hat. Zum einen hielten sich zu dieser Zeit die beiden Deutschen August Freudenfeld und Johann Ludwig Rose in London auf, beide Oboisten, die sich gerne des „neuen“ Instrumentes bedienten. Zum anderen wirkten zeitgleich der mysteriöse Mr.Charles und sein Sohn in England, diese jedoch ursprünglich Horn- und Clarinospieler. In Händels „Ouverture“ findet man daher fanfarenhafte Signale neben lyrischen Kantilenen, die so nur auf diesen damals modernen Instrumenten überhaupt möglich waren.

Kategorien: En Suite - Evolution der Klarinette, Tonträger | Hinterlasse einen Kommentar

Der end-gültige echte Text -2011

 „…in einem unbekannten Land,
vor gar nicht all zu langer Zeit…“

„Böhmen bildet ein von waldreichen Gebirgen (Böhmerwald, Fichtel-und Erzgebirge, Sudeten- und Böhmisch-Mährische Höhe) umschlossenes Gebiet. Es wird von der Elbe und   Moldau mit ihren Nebenflüssen durch das Elbsandsteingebirge nach Norden entwässert.“ 1)
„Schade ist es übrigens, dass dem Wasser noch kein eigener Kanal angewiesen ist, denn nicht selten verursacht es Unannehmlichkeiten entweder dadurch, dass es durch die Löcher, oder, was noch weit schlimmer ist, durch die Klappen dringt.“ 2)

Um 1800 stellt sich folgendes Landschaftsbild dar:
„Eine Menge noch lebender Tonkünstler stammt aus den kleinsten Örtern und aus unbeträchtlichen böhmischen Dorfschulen her. Nur da war die Gelegenheit, ein wahres Künstlergenie zu bilden, wo Talent und einsames Studium einander die Hände boten.“ 3)
„Das Jahrhundert der böhmischen Musikanten war eine Zeit der Züchtung von oben her, durch die aus den Grundlagen des deutschen wie des tschechischen Volkes immer neue Wellen begabter Instrumentalisten, Kapellmeister und Komponisten heraufgeführt wurden.“ 4)
„Auf dem Schlossparkett, im Orchesterraum des Opernhauses und auf dem Kirchenchor vollzog sich eine bis dahin ungekannte Durchdringung bodenständiger Musik bäuerlicher und kleinbürgerlicher Herkunft mit den Typen und Formen der italienischen und süddeutschen Hochkunst.“ 5)
„Noch um 1785, also bis zu Mozarts Prager Zeit, sei es üblich gewesen, die Dienstfähigkeit eines Livrierten von seinen musikalischen Kenntnissen abhängig zu machen.“  6)
„Mozarts Prager, die auf dem Breitfeldischen Ball die Musik des „Figaro“ als „lauter contretänze und teutsche“ vertanzen, repräsentieren die böhmische Musikalität, in der man noch keineswegs nationale Eigenzüge suchte oder feststellte.“  7)
„Eine umfassende Geschichte der Musik in Böhmen und Mähren wird leichter geschrieben werden können, wenn die immer noch reichen und z.T. unerschlossenen Quellen der Länder allgemein zugänglich sind und wenn die heute noch allzu betonte Frage nach der Nationalität im Gespräch der Geschichtsforscher beider Nationen verstummt oder unerheblich geworden ist .“  8)
„Der Egerländer „Gelroubenbeißer“ (nach der gelben Farbe der wohlfeilen Klarinetten) und tschechische Tanz- und Straßenmusikant verdanken ihre Wirkung dem unverwüstlichen Instrument, das im Verein mit „Blech und Streich“, bei „Tauf’ und Leich“ unerlässlich war.“  9)

Nudera (Adalbert) Violinist bey dem Kathedralorchester am Wischehrad zu Prag ums J.1796, gehört nicht nur unter die guten Spieler seines Instruments, sondern ist auch Komponist mancher wohl aufgenommenen Instrumentalstücke, von denen auch gestochen worden ist: Andantino avec 8 Variations pour la Clarinette et Fagotte oblig. avec accomp. de 2 Violons, 2 Cors et B. Op.1. Gotha und Petersburg, bey Gerstenberg, 1796. 10)
Nebenbei bemerkt:
„Die besten mir bekannten Bassethörner sind die Wiener, allein man muss sich auch bey diesen um manche rein zu bekommen, des Wachses, besonders bey dem e und g Loch bedienen, weil meistens das f und a zu hoch ist. Freylich wird dadurch das d etwas zu tief, allein man kann zu diesem die cis-Klappe öffnen, so wird es ganz rein.“  11)
„Minore findet man über einzelnen Stellen eines Musikstückes, welche die kleine Terz haben, oder aus einem Molltone gehen, und insofern von dem vorhergehenden Maggiore verschieden sind.“  12)

1):Der neue Brockhaus 6.Auflage Wiesbaden 1978 Band 1

2):J.G.H.Backofen: Anweisung zur Klarinette nebst einer kurzen Abhandlung über das Bassett-Horn , Leipzig 1803 S.36

3):Jahrbuch der Tonkunst von Wien und Prag , Wien 1796 , S.103

4):Karl Michael Komma: Das böhmische Musikantentum, Kassel 1960 , S.147

5):ebenda

6):Komma, S.145

7):Komma , S.9

8):Komma , S.195

9):Komma, S.67

10):Ernst Ludwig Gerber: Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler ,Band 3, Leipzig 1813

11):Backofen , S.36

12):D.G.Türk: Clavierschule oder Anweisung zum Clavierspielen für Lehrer und Lernende , Leipzig/Halle 1789 , S.128

Kategorien: Adalbert Nudera - Bassethorntrios, Tonträger | Hinterlasse einen Kommentar

Der ursprüngliche CD-Text – 2011

Adalbert Nudera ist ein wunderbares Beispiel für einen Komponisten über den es viele Vermutungen aber nur wenig gesicherte Tatsachen zu berichten gibt. Leider wird dieser Umstand auch nicht dadurch geändert, dass alle möglichen Autoren und selbsternannte Wissenschaftler über viele Jahre hinweg sich gegenseitig  immer wieder zitieren und wiederholen.
Was bleibt? Alle Angaben über A.Nudera (1748-1811) basieren auf zwei Quellen. Zum einen bei Gerbers Tonkünstler-Lexikon 3.Band, Leipzig, von 1813:
„Nudera (Adalbert) Violinist bei dem Kathedralorchester am Wischerad zu Prag ums Jahr 1796, gehört nicht nur unter die guten Spieler seines Instruments, sondern ist auch Komponist, mancher wohl aufgenommenen Instrumentalstücke, von denen auch gestochen worden ist: Andantino avec 8 Variations pour la Clarinette et Fagotte oblig. avec accomp. de 2 Violons, 2 Cors et B. Op.1 Gotha und Petersburg, bei Gerstenberg, 1796.“
Zum Anderen bei G.J.Dlablacz Künstlerlexikon für Böhmen, Prag, von 1815:
„Nudera, A., von ihm ist im Jahre 1797 ein Andantino avec VIII variations pour la Clarinette et Fagotte obligées avec l’accompagnement de deux Violons, deux Cors de chasse, et Basse composées, in der Calvischen Buchhandlung in Prag verkauft worden.“
„Nudera, ein Violinspieler an der Kollegialkirche zu St.Peter auf dem Wischerad 1796. Er hat verschiedene Menuetten; deutsche Tänze, Sonetten und Trios bekannt gemacht. Auch habe ich ein Te Deum, und einige Litaneien von ihm gesehen.“

Gibt es jetzt einen oder zwei Komponisten gleichen Namens uns handelt es sich hier überhaupt um „unseren“ Nudera? Diese Frage sollen Historiker beantworten, denn so entscheidend für eine Aufnahme seiner Werke für drei Bassetthörner ist in diesem speziellen Fall weniger die Frage nach dem Komponisten als mehr die Frage nach der Musik selbst. Da fällt erst einmal auf: es gibt anscheinend ein Trio aus Bassetthorn-Spielern in Prag um 1800 – in dem Prager Nationalmuseum, aus der das Notenmaterial für die „Divertimenti1-5“ stammt, liegen aus dieser Zeit etliche Werke für Bassetthorn-Trio, man kann diese Besetzung als eigenständige Gattung verstehen. Viele dieser Werke sind keine Konzertstücke im heutigen Sinn, sondern verstehen sich als Musik zum Zeitvertreib und Vergnügen bei Gesellschaften oder Festivitäten. Zeitgleich gibt es in Wien das gleiche Phänomen, bei der Musik aus Prag jedoch entwickelt sich eine selbstständige Ironie in der Musik – heute sprechen wir vom böhmischen Witz und wissen, dass es sich hierbei oftmals um den Galgenhumor eines jahrelang unterdrückten Volkes handelt, welches keine andere Möglichkeit des Widerstandes gegen die Obrigkeit hatte als die Satire. Was also bisweilen als naive Einfachheit  erscheint, mag oft als Karikatur derselben gemeint sein. Anders als bei Mozart,Stadler und Druschetzki versteht Nudera seine Trios als 5 festgelegte progressive Divertimenti und nicht als lose Sammlung von 25,18 oder 33 Einzelsätzen, die nach Belieben und Bedarf zusammengestellt werden sollen.

Um welches Instrument handelt es sich überhaupt wenn wir von einem Bassetthorn sprechen?
Unter „wissen.de“ findet man: „Das Bassetthorn ist eine Altklarinette in F oder Es mit vier Zusatzlappen, die die Tiefe bis C erweitern (…) und einem aufgebogenen Metallschallstück wie bei einem Saxophon.“ -?-?- Wieder ein schönes Beispiel für leider falsch abgeschrieben! Eigentlich gehört das Bassetthorn in die Gruppe der “Corno“-Familie, wie das Corno inglese (Englischhorn), das Corno da caccia, oder eben das Corno di bassetto im Sinne von kleiner Basso. Es ist in der Regel in F gestimmt, um 1800 gerne auch in G (analog zur Solostimmung bei Kontrabässen), bei G.Druschetzki vermutlich auch in D. Verbreitet war das Bassetthorn ab den 1770er Jahren in Wien, kurz darauf auch in Böhmen, beliebt als Trio zur Unterhaltung und als Harmoniemusikbesetzung. Höhepunkt der Verbreitung war gegen 1800, ab ca. 1820 Verschwindet es wieder aus der Instrumentalliteratur um erst ab 1890 wiederentdeckt zu werden.
Die Bassetthörner, die bei dieser Aufnahme verwendet wurden, sind Kopien nach Instrumenten von Hammig jun., Wien um 1800, die von Schwenk&Seggelke zwischen 1990 und 2008 hergestellt wurden. Diese Instrumente können neben ihrer Funktion als Bassinstrument vor allem durch die klangliche Mischungsfähigkeit und Nähe zu den Klarinetten als Fortsetzung in die Tiefe überzeugen. In seiner technischen Wendigkeit stehen sie den Klarinetten nicht nach, und so kann der Hörer oft erst nach einer Weile erkennen, dass tatsächlich drei gleiche Instrumente spielen und weder Sopran- noch Bass-Lage einen eigenen Klangkörper benötigen.

Kategorien: Adalbert Nudera - Bassethorntrios, Tonträger | Hinterlasse einen Kommentar

Lebensläufe der Mitglieder des Ensembles Clarimonia

Lebensläufe der Mitglieder des Ensembles Clarimonia

Jochen Seggelke

Studium an der Hochschule für Musik Heidelberg- Mannheim bei Prof. Hans Pfeifer sowie an der Scola Cantorum Basiliensis bei Pierre-André Taillard (historische Klarinetten). Gründungsmitglied des Ottetto Amsterdam (heute Klassische Kammerharmonie), hiermit Preisträger zahlreicher internationaler  Wettbewerbe für alte Musik. Rege Konzerttätigkeit mit den wichtigsten Ensembles und Orchestern für Aufführungspraxis in Europa, wie z.B. Concerto Köln, Orchestre des Champs-Elisées, Akademie für Alte Musik Berlin. Ausbildung zum Holzblasinstrumentenmacher und Gründung der Fa. Schwenk & Seggelke zur Herstellung von professionellen modernen Klarinetten sowie Nachbauten historischer Instrumente.

Bernhard Kösling

Geboren in Neuss, lernte das Klarinettenspiel zunächst bei Hans-Jürgen Eckmeier, später bei Hans Deinzer in Hannover. Nach Erfolgen bei mehreren großen Wettbewerben – u.a. dem Premio d´Ancona und dem deutschen Hochschulwettbewerb – folgt 1991 der bewusst gewählte Schritt in die Selbstständigkeit ohne Festanstellung. Seit dem lebt er mit seiner Familie in Oldenburg (Oldb).
Bernhard Kösling war von 1988-1992 Mitglied der „Gruppe M“,1989-1999 Soloklarinettist des „Ensemble Köln“, 1996-2010 Mitglied des „Oh-Ton“ –Ensembles in Oldenburg. In diesem rein zeitgenössisch geprägten Lebensabschnitt war er zudem Gast der entsprechenden deutschen Ensembles wie Musikfabrik NRW, KNM  Berlin, Ensemble Modern.
Seit 1995 ist er Soloklarinettist der „Kammersinfonie Bremen“.
Im Jahr 2000 erwachte das Interesse an der Aufführungspraxis mit historischen Instrumenten, dem 2001 die Mitgliedschaft bei „Clarimonia“ folgte und welches seit 2004 einen wesentlichen Anteil seiner Beschäftigung ausmacht.
Seit 2007 kümmert er sich vermehrt um die (Wieder)-Entdeckung und Publikation verloren geglaubter Musik mit Klarinettenbeteiligung. In diesem Zusammenhang ist er seit 2008 freier Mitarbeiter beim „Musikverlag Eckmeier“.
Unabhängig von der musikalischen Entwicklung produziert und vertreibt Bernhard Kösling  erfolgreich extrem leichte Etuis für Klarinetten aller Bauart, die mittlerweile auf der ganzen Welt anzutreffen sind.

Ekkehard Sauer

Studierte Schulmusik/Geschichte und Diplommusikerziehung (Klarinette) an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Unterricht bei Prof. H. Pallushek, Guido Schäfer und Prof. H. Deinzer. Von 1991 bis 2006 war er Dozent für Klarinette und Kammermusik an der Universität in Hildesheim. Daneben unterrichtet er seit 1997 hauptberuflich als Oberstudienrat an der Angelaschule Osnabrück mit Schwerpunkt Bläserklassen/Big Band. Aus diesen Tätigkeiten erwuchs ein Lehrauftrag für Bläserdidaktik und Klassenmusizieren am Institut für Musik der Fachhochschule Osnabrück.
Seit 1995 beschäftigt er sich eingehend mit Alter Klarinette. Er ist Gast in diversen Orchestern wie L`arco und Akademie für Alte Musik Berlin sowie Kammermusikensembles wie Clarimonia.

Matthias Höfer

Klarinette, wurde 1967 in Herten/Westfalen geboren. Sein Studium absolvierte Matthias Höfer bei Prof. Hans Gutmann in Essen, bei Prof. Helmut Pallushek und Ralf Pegelhoff in Hannover, bei Harry Sparnaay in Amsterdam und bei Hans Rudolf Stalder in Basel. Seit 2000 ist Matthias Höfer Solo-Bassklarinettist im Frankfurter Opern- und Museumsorchester; seit 2003 hat er einen Lehrauftrag an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz.

Kategorien: Künstler-Biographien | Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.